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Bier

Bierkrügerl im Schweizerhaus in Wien Eine oft gestellte Frage: Was gab es zuerst - Bier oder Wein? Bier wurde in Mesopotamien zumindest schon vor 6.000 bis vielleicht sogar 8.000 Jahren produziert. Vermutlich ist es damit noch vor dem Wein das erste von Menschen produzierte alkoholische Getränk. Bier und Wein waren früheste Bestandteile der Trinkkultur. In Ägypten wurde um 4.000 vor Christi halbfertig gebackenes Brot mit Wasser vergoren und so eine Art Bier hergestellt. Der Gott der Fruchtbarkeit Osiris selbst soll die Ägypter den Weinanbau und die Bierherstellung gelehrt haben. Im sumerischen Gilgameschepos, welches über 2700 v. Chr. berichtet, wird die Entwicklung eines Urmenschen namens Enkidu zum „kultivierten Menschen“ erzählt. Es wird ihm Bier angeboten, das er bis dahin nicht kannte. Er trank sieben Becher davon und ihm wurde ganz leicht ums Herz. In dieser Verfassung wusch er sich und wurde so zum Menschen.

Im berühmten Codex des babylonischen Königs Hammurabi (1728-1686 v. Chr.) sind Gesetze über Wein und Bier formuliert. Unter anderem sind Brauvorschriften und Preisobergrenzen für Bier enthalten. In Babylonien soll es bereits rund 70 Biersorten gegeben haben. Die Biere wurden mit Myrte, Safran und Anis gewürzt sowie (wofür übrigens heute der Hopfen dient) mit Ochsengalle und Bilsenkraut haltbar gemacht. In den alten Kulturen war Bier zumeist das Alltagsgetränk des einfachen Volkes. Der Wein (vor allem besserer) war auf Grund der aufwändigeren Herstellung der herrschenden Schicht und den Priestern vorbehalten.

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus (55-120) schreibt über die Trinkgewohnheiten der Germanenstämme entlang des Rheinufers. Er berichtet, dass diesen der Weinbau unbekannt sei. Sie kauften ihn jedoch von den Kelten (Galliern) und Römern. Einige Stämme wie jene der Sueben hatten aber den Weinkauf verboten. Das vorherrschende und bevorzugte Getränk der germanischen Stämme war jedenfalls Bier. Die Römer machten sich darüber lustig und Kaiser Julian (331-363) verfasste ein berühmtes Spottgedicht (Auszug): Was bist Du - ein Wein? Wo kommst Du her? Dich kenn ich nicht, beim Wein ich schwör. Der Wein schmeckt wie der Götter Trank, Du aber schmeckst nach eines Bocks Gestank. Eine Produktion von Bier in größerem Umfang begann in Europa im 9. Jahrhundert zurzeit Kaiser Karls des Großen (742-814). Wie beim Wein waren es die Klöster der römisch-katholischen Kirche, die das Bierbrauen kultivierten. Aber erst im späteren Mittelalter wurde Bier zum Konkurrenzprodukt für Wein, vor allem weil dieser mit hohen Steuern belastet wurde und wesentlich teurer war. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich schließlich die Bierbrauerei zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig.

Wasser, Hopfen und Malz - sonst nichts. Mit diesem Slogan wirbt eine bekannte Bierbrauerei. Diese drei Grundstoffe sind auch oft in den Reinheitsgeboten der Brauereien angeführt, wobei die ältesten aus dem 15. Jahrhundert stammen. Damit soll ausgedrückt werden, dass keine Zusatzstoffe beigegeben werden. Erstaunlicherweise wird also die Hefe als Bestandteil gar nicht erwähnt. Der einfache Grund ist, dass man früher über die Wirkung der Hefe als unverzichtbaren Teil des Brauprozesses gar nicht Bescheid wusste. Denn die Gärung erfolgte spontan ohne menschliches Zutun durch Hefepilze aus der Luft. Das Malz wird zumeist aus Gerste, aber auch Weizen, Reis und Mais mittels fermentativen Prozess hergestellt. Durch Zugabe von Wasser und Hopfen wird ein Gemisch für die Gärung vorbereitet. Die Verwendung von Hopfen wurde erstmals schon im 8. Jahrhundert erwähnt. Dieser ergibt den typisch bitteren, aromatischen Geschmack und hat auch eine konservierende Wirkung.

Malz enthält in hoher Menge vergärbaren Zucker, der dann mittels auch beim Wein verwendeten Hefenspezies Saccharomyces cerevisiae vergoren wird. Gegenüber Wein hat Bier in der Regel einen weitaus geringeren Alkoholgehalt zwischen 3,5 bis 6% vol. Es gibt allerdings auch Starkbiere bis 12% und mehr. Die zahlreichen Bierarten unterscheiden sich durch Getreideart, Gärungsart (obergärig, untergärig), Hopfen, Stammwürze, Farbe und gegebenenfalls Zusätze (z. B. belgisches Himbeerbier). In traditionellen Weinländern wie Deutschland und Österreich ist die Konsummenge von Bier immer noch höher als Wein. Bier hat schon lange den Ruf des „einfachen Getränkes” verloren, es gibt auch bereits Bierdegustationen. Übrigens ähnelt ein Reiswein von der Herstellung her viel mehr Bier als Wein. Bier ist das klassische Getränk beim Brauch des Zutrinkens in Studentenverbindungen.

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