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Biowein

Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen den Mitgliedsstaaten wurde im Feber 2012 vom SCOF (Standing Committee on Organic Farming) eine EU-Verordnung mit genauen Regeln für Weinberg und gegenüber früher nun auch Keller für die Produktion von Biowein erlassen. Bis dahin konnten Biowinzer am Etikett lediglich „Wein von Weintrauben aus biologischem und ökologischem Anbau“ angeben, da es keine Produktionsregeln für die Vinifikation von Bioweinen gab. Diese Bezeichnung ist aber nun nicht mehr zulässig. Nach den neuen Regeln hergestellte Weine dürfen nun wahlweise als „Ökologischer Wein“, „Ökowein“, „Biowein“ oder „Wein aus ökologisch/biologischem Anbau“ bezeichnet werden. Die Herstellung von Biowein steht also in unmittelbarem Zusammenhang mit einem zertifiziertem Biologischen (Ökologischen) Weinbau.

Voraussetzung ist die Einhaltung der Richtlinien für die Weingartenbewirtschaftung, sowie die Vinifikation der Weine nach den Biowein-Richtlinien gemäß der EU-Öko-Verordnung und die daraus resultierende Zertifizierung als Biobetrieb durch eine der staatlich zugelassenen Bio- bzw. Öko-Kontrollstellen. Gegebenenfalls kommen bei einer auf freiwilliger Basis erfolgten Mitgliedschaft bei einem der vielen Öko/Bio-Verbände wie zum Beispiel Bioland, DEMETER oder ECOVIN deren zumeist noch strengere Vorgaben hinzu. Eine Mitgliedschaft bei einem dieser Verbände ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Auch dafür gibt es Kontrollen gemäß Verbands-Richtlinien, die aber in der Regel von den Bio/Öko-Kontrollstellen übernommen werden. Eine alleinige Verbands-Zertifizierung ist aber ohne die zwingende staatliche EU Öko-Zertifizierung nicht möglich.

Bei der Zertifizierung werden auch die für die Erzeugung von Biowein zulässigen Rebflächen bestimmt. Das heißt, dass der Winzer auch noch andere, nicht für Biowein erlaubte Flächen bewirtschaften kann (einzelne Bioverbände schließen dies aber aus). Ein Biobetrieb kann aber auch nicht nach Bioregeln hergestellte Weine vermarkten. Ursache können witterungsmäßig schwierige Jahre sein, wenn die strengen Einschränkungen nicht möglich sind. Sollte bei einem Biowein der gesetzliche Höchstwert an Schwefeldioxid überschritten werden, jedoch innerhalb der Grenze für konventionellen Wein liegen, ist es erlaubt, den Wein als „normalen“ Wein zu vermarkten. Am Etikett darf dann natürlich kein Bio-Hinweis aufscheinen. Es gibt auch Biobetriebe, die Weine konventionell erzeugen. Diese müssen separat verarbeitet und gelagert werden. Oft erfüllen Bioweine auch die Kriterien für Vegetarier- und ggf. Veganer-Weine. Grund dafür ist die sparsame Verwendung bestimmter Mittel wie zum Beispiel Eiweiß.

Bioweine müssen zumindest aus 95% Bio-Produktion stammen. Bei der Vinifizierung sind bestimmte önologische Verfahren und Gentechnik verboten. Die zulässigen Höchstmengen für Sulfite (Salze der schwefligen Säure) sind 100 mg/l im Rotwein (Nicht-Biowein 150) und bis zu 150 mg/l bei Weißwein (Nicht-Biowein 200), wobei eine Abweichung von 30 mg/l zulässig ist, wenn der Restzuckergehalt über 2 g/l liegt. Der Einsatz von Sorbinsäure (zwecks Konservierung) ist verboten. Bestimmte Techniken sind nur beschränkt erlaubt, dies betrifft z. B. das Sauerstoffmanagement und die Filtration. Einzelne Mittel sind nur zeitlich befristet zugelassen, was von den Ländern bzw. Verbänden individuell festgelegt werden kann. Neben den bioweinspezifischen Vorgaben gelten natürlich auch die allgemeinen Vorschriften gemäß der Gemeinsame Marktorganisation für Wein 2009.

Die Bioweine dürfen das Biosiegel der Europäischen Union (EU-Biologo) tragen. Zusätzlich kann bei einer (jedoch nicht zwingend erforderlichen) Mitgliedschaft auch ein Verbandslogo der zahlreichen Öko/Bioverbände verwendet werden. Eine Dachorganisation für Bioverbände in Österreich ist Bio Austria, das Pendant für die Ökoverbände in Deutschland BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft), wo auch die Bioverbände dieser beiden Länder aufgelistet sind. Abschließend muss noch bemerkt werden, dass Biowein nicht automatisch bessere Qualität bedeutet, da hiefür auch noch eine Reihe anderer Voraussetzungen notwendig sind.

Alle Hilfsmittel, Arbeiten und Maßnahmen im Weinberg während des Vegetationszyklus findet man unter Weingartenpflege. Komplette Aufstellungen der zahlreichen Kellertechniken, sowie eine Liste der weingesetzlich geregelten Wein-, Schaumwein- und Destillat-Typen sind unter dem Stichwort Weinbereitung enthalten. Umfassende weinrechtliche Informationen gibt es unter dem Stichwort Weingesetz.

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