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Fungizide

Die im Weinbau am häufigsten angewendeten Mittel innerhalb der großen Gruppe der Pestizide. Die Bezeichnung leitet sich von den zwei lateinischen Begriffen „fungus“ (Pilz) und „caedere“ (töten) ab. Fungizide sind chemische oder biologische Wirkstoffe, die Pilze oder ihre Sporen abtöten oder zumindest deren Wachstum für die Zeit ihrer Wirksamkeit verhindern. Sie werden in der Landwirtschaft und damit auch im Weinbau als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Das erste in großem Umfang eingesetzte Fungizid war ab den 1880er-Jahren die so genannte Bordeaux-Brühe gegen den Falschen Mehltau. Die vielfältigen Arten werden nach ihrer Wirkung in die Gruppen protektive (vorbeugende), kurative (bekämpfende) und eradikative (ausrottende, tötende) Mittel eingeteilt.

Die protektiven Mittel werden vor dem Pilzbefall eingesetzt und wirken zumeist gegen mehrere Pilzarten. Sie verhindern eine Keimung der Sporen oder das Eindringen des Pilzes in das Pflanzengewebe. Dazu zählen alle Verbindungen mit Kupfer und Schwefel. Protektive Mittel dringen nicht in das Pflanzengewebe ein (sie haben keine systemische Wirkung) und werden zum Beispiel durch Regen abgewaschen. Deshalb müssen sie während der Vegetations-Periode zumeist mehrmals eingesetzt werden. Die kurativen Mittel werden erst nach einer bereits erfolgten Infektion eingesetzt. Sie hemmen die Entwicklung der Pilze im Anfangsstadium. Die eradikativen Mittel können einen Pilzbefall sogar noch dann erfolgreich bekämpfen, wenn die Befallssymptome bereits sichtbar sind.

Relativ neu sind so genannte mesostemische Wirkstoffe. Diese bilden auf der Pflanzenoberfläche ein Wirkstoffdepot, aus dem kontinuierlich Nachschub in die Pflanze gelangt. Die Folge ist eine besonders hohe und lange Wirkungsdauer. Zu den mesostemischen Fungiziden zählen die Ende der 1990er-Jahre eingeführten Strobilurine. Darüber hinaus gibt es auch Präparate mit kombinierter Wirkung in großer Bandbreite. Nach der Anwendungsweise unterscheidet man Blatt-Fungizide, die auf diese oberirdischen Pflanzenteile gespritzt oder gestäubt, sowie Boden-Fungizide, die in den Boden eingebracht werden. Im Weinbau werden mit Fungiziden vor allem die Botrytis (Edelfäule), verschiedene Arten der Traubenfäule, sowie Echter und Falscher Mehltau, aber auch eine Reihe anderer Pilzarten bekämpft (siehe dazu unter Rebstock-Feinde bei Pilz-Krankheiten).

Im Biologischen Weinbau und seinen Sonderformen wird auf Fungizide nach Möglichkeit verzichtet oder deren Verwendung zumindest stark eingeschränkt. Stattdessen wird auf so genannte Pflanzenstärkungsmittel gesetzt, welche die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Schadorganismen erhöhen. Manche Fungizid-Arten können die Hefetätigkeit hemmen und damit die Gärung und Weinqualität negativ beeinflussen. Deshalb dürfen sie eine bestimmte Zeit vor der Weinlese nicht mehr eingesetzt werden (siehe dazu unter Schwefelwasserstoff). Auf Grund des relativ feuchten Wetters ist der Einsatz von Fungiziden in Mitteleuropa sehr umfangreich. In Deutschland werden in der Landwirtschaft jährlich etwa 10.000 und in Österreich etwa 1.400 Tonnen eingesetzt. Bei der Neuzüchtung von Rebsorten wird großer Wert auf Resistenz gegen Pilze gelegt; siehe dazu auch unter PIWI.

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