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Das größte Weinlexikon der Welt

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Gallo

Die Brüder Ernest (1909-2007) und Julio Gallo (1910-1993) waren die Söhne italienischer Einwanderer aus dem Piemont. Der Vater Guiseppe (Joseph) und sein jüngerer Bruder Michael kauften Anfang des 20. Jahrhunderts Wein von kleinen Kellereien in Kalifornien, den sie weiterverkauften. Anfang der 1920er-Jahre erwarben sie eine kleine Farm nahe Modesto (Stanislaus County im Central Valley) und produzierten während der Prohibition (1920-1933) Trauben, die sie verkauften. Auf Grund von Verschuldung kam es zu einer Tragödie, Guiseppe erschoss 1933 zuerst seine Frau und dann sich selbst. Die zwei Söhne übernahmen die Farm und gründeten die E. & J. Gallo Winery. Julio war der Kellermeister und Ernest kümmerte sich um den Verkauf. Die erste Kellerei wurde am Platz der heutigen riesigen Fabrik in Modesto errichtet. Anfangs wurde Fasswein produziert und dieser an Abfüller verkauft.

Erst ab dem Jahre 1937 wurden Weine unter eigenem Label erzeugt und 1940 die ersten eigenen Rebstöcke angepflanzt. Zusätzlich wurden Trauben gekauft. Die Erfolgsgeschichte begann im Jahre 1957 mit dem aus weißem Portwein und Zitronensaft vermischten und auf 20% Alkoholgehalt gespriteten „Thunderbird“ mit der Zielgruppe arme Schwarze. Ein Viertelliter kostete damals 60 Cents. Gallo machte dafür aggressive Werbung, für solche ist die Fima heute noch bekannt. Allein 1957 wurden davon 32 Millionen Gallonen verkauft. Dieser Wein wird noch heute produziert. Weitere erfolgreiche Produkte waren der Perlwein „Ripple“ und der „Boone’s Farm Apple Wine“ (Apfelwein).

Im Jahre 1964 wurde die Produktion von Jug Wines (Billigweinen) in riesigen Mengen gestartet. Dies waren vor allem die Marken „Hearty Burgundy“ und „Chablis Blanc“. Das war damals und noch bis Anfang des dritten Jahrtausends eine weit verbreitete Gepflogenheit in der Neuen Welt, Weine nach prominenten europäischen Gebieten zu benennen. Der Name Gallo wurde zum Synonym für billige Massenweine einfachen Zuschnitts. Ab 1977 erfolgte dann eine Änderung in der Philosophie. Statt der Generics (Gattungsweine) wurden nun Varietals (Sortenweine) forciert. Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden riesige Flächen Rebland im Sonoma County in den AVA-Bereichen Alexander Valley, Dry Creek Valley und Russian River Valley gekauft und das neue Unternehmen „Gallo Sonoma“ gegründet.

Dort trat Gallo den Beweis an, aus ausgesuchten Einzellagen auch Spitzenweine wie zum Beispiel „Chardonnay Laguna“ produzieren zu können. Das Image von Gallo wurde dadurch nachhaltig verbessert. Durch den Kauf von insgesamt sechs Weingütern vergrößerte sich der Besitz enorm. Darunter war zum Beispiel 2002 die Louis M. Martini Winery, die ebenfalls italienische Wurzeln hat. Der Weinbergsbesitz im Sonoma County umfasst rund 2.000 Hektar Rebfläche. Die Kellerei im Dry Creek Valley produziert rund 300.000 Hektoliter Wein jährlich. Das ist aber nur ein Bruchteil der Gesamtproduktion. Für das Sonoma-Projekt waren Julios Enkeln Gina und Matthew Gallo verantwortlich.

Die Weinberge umfassen insgesamt 3.600 Hektar Rebfläche. Alleine der Versuchs-Weinberg, wo neue Rebsorten sowie neue Bewirtschaftungs-Methoden erprobt werden, ist über 400 Hektar groß. Zusätzlich werden auch noch in großen Mengen Weintrauben zugekauft. Jährlich werden rund 50 Millionen Kisten Wein und mehr produziert, das sind 6 Millionen Hektoliter. Jede zumindest vierte Weinflasche der USA stammt aus dem Hause Gallo. Es ist das weltweit größte Weingut in Familienbesitz und zählt in der Weinproduktion weltweit zu den Top Five. Die Produkte werden in 90 Länder verkauft. Im großen Umfang werden auch andere Getränke wie Coolers, Obstweine, Schaumweine und Spirituosen erzeugt.

Zusätzlich zur Marke Gallo oder Gallo Sonoma werden Weine unter zahlreichen Namen vermarktet. Das sind unter anderem Anapamu, Barefoot, Bartles & James, Bella Sera, Black Swan, Carlo Rossi, Ecco Domani, Frei Brothers, Indigo Hills, Livingstone Cellars, Louis M. Martini, Mirassou Vineyards, MacMurray Ranch, Napa Valley Vineyards, Night Train Express, Red Bicyclette, Sebeka, Thunderbird, Tott’s André, Turning Leaf, Twin Valley und Rancho Zabaco. Es gibt eine eigene Glasfabrik für Weinflaschen. Der Stammbetrieb in Modesto ähnelt eher einer hochtechnischen Fabrik als einer Weinkellerei. In der marmorverkleideten Eingangshalle ergießt sich ein großer Wasserfall in ein riesiges Becken.

Julio Gallo kam im Jahre 1993 bei einem Autounfall auf dem Werksgelände ums Leben, er war bis zu seinem Tod hauptverantwortlich für den Keller gewesen. Sein Bruder Ernest starb im Jahre 2007 im achtundneunzigsten Lebensjahr, auch er hatte noch bis zu seinem Tode regen Anteil am Geschäft genommen. Das superlative Unternehmen ist immer noch in Privatbesitz und wird heute von Mitgliedern der zweiten und dritten Generation geführt. Insgesamt sind rund ein Dutzend Familienmitglieder im Riesen-Unternehmen tätig. Der Slogan auf der Gallo-Website lautet „Drei Generationen - eine Leidenschaft“. Die Verkaufs- und Marketing-Abteilung gilt als mustergültiges Vorbild und die meisten US-Spitzenkräfte im Weinhandel haben zumindest kurz dort gearbeitet.

Das Unternehmen Gallo hütet eifersüchtig seinen Namen. So wurde nach einem lang andauernden Rechtsstreit im Jahre 2005 entschieden, dass der Chianti-Schutzverband den Namensteil Gallo nero außerhalb Italiens nicht mehr verwenden darf. Und dem Halbbruder der zwei Gründer namens Joseph Gallo wurde sogar untersagt, den von ihm produzierten Käse unter dem Namen Gallo zu vermarkten. Siehe auch unter Globalisierung und größte Weinfirmen der Welt.

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