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Grand Cru

Der französische Begriff bedeutet „Großes Gewächs“, bezieht sich in der Regel auf Wein (aber auch auf Kaffee und Schokolade) und steht in engem Zusammenhang mit der französischen Philosophie des Terroir. Das heißt, dass unabhängig von den zwischen einzelnen Jahrgängen möglichen Qualitätsschwankungen ein bestimmter Boden und das dortige Kleinklima von gleichbleibender und bestimmender Qualität sind. Die Cru Classés sind zusätzlich zum in Frankreich gültigen Appellation d’Origine Protégée zu verstehen und kennzeichnen die Spitzenqualitäten.

An diesen Klassifizierungen bzw. Bezeichnungen hat sich auch durch die ab August 2009 wirksam gewordene EU-Weinmarktordnung nichts geändert. Der Begriff Grand Cru wird jedoch in den verschiedenen französischen Weinbaugebieten etwas unterschiedlich verwendet. Er kann sich auf eine Einzellage, eine Gemeinde oder ein Weingut (Château) bzw. den dort produzierten Wein beziehen. Siehe zum Thema Weinqualität jedoch auch unter Herkunft, Klassifizierung und vor allem Qualitätssystem.

Beaujolais: Hier gibt es zehn Gemeinden mit Cru-Status. Im Gegensatz zum Vierstufenmodell im restlichen Burgund gibt es nur drei Stufen (keine Grands Crus).

Bordeaux: Hier wird Grand Cru für die Eigenschaft eines Weingutes (Château), bzw. den hier produzierten Grand Vin verwendet (gilt also nicht für einen Zweitwein). Es werden Lage und Château sozusagen miteinander gleichgestellt. Die Regeln sind in den Appellationen sehr unterschiedlich und verwirrend. Berühmt ist die im Jahre 1855 erfolgte Bordeaux-Klassifizierung, die noch heute eine gewisse Bedeutung hat.

Burgund: Hier bezeichnet Grand Cru (im Gegensatz zum Bordeaux) eine Lage, wobei das auf eine im Jahre 1935 durchgeführte amtliche Klassifikation aller Weinberge der Côte d’Or zurückgeht. Alle Grands Crus sind als eigene Appellation klassifiziert. Die zweithöchste Stufe Premier Cru aber ist nur Teil einer kommunalen Appellation. Die Qualitätspyramide mit allen Gemeinden, Lagen und Weingütern ist unter Burgund-Klassifizierung beschrieben.

Chablis: Hier gibt es sieben besonders privilegierte Lagen, die im Rahmen der Burgund-Klassifizierung die höchst eingestufte Grand-Cru-Klasse bilden.

Champagne: Hier sind einzelne Gemeinden gemäß der Qualität der Trauben als Grand Cru, Premier Cru oder einer „namenlosen“ dritten Stufe klassifiziert; siehe dazu ausführlich unter Échelle des crus. Bei diesen handelt sich aber um keine Appellationen.

Elsass: Hier sind die 51 Lagen in der AC Alsace Grand Cru klassifiziert.

Graves: Hier erfolgte in den Jahren 1953 und 1959 eine Klassifikation für Rot- und Weißweine mit der einzigen Stufe Cru Classé des Graves. Die betreffenden Châteaux liegen alle in der Appellation Pessac-Léognan, dem nördlichen Bereich von Graves.

Languedoc: Hier wurde 2011 ein dreistufiges Qualitätssystem mit den Stufen Languedoc AOC, Grands Vins du Languedoc und Crus du Languedoc eingeführt. Diese Gruppierung hat aber rein marketingmäßige Gründe, den beiden höheren Gruppen sind abhängig der Qualität alle Languedoc-Appellationen zugeordnet worden.

Médoc: Hier wurde im Rahmen der 1855 erfolgten berühmten Bordeaux-Klassifizierung ein fünfstufiges System von Premier Cru bis Cinquième Cru geschaffen, wobei als einziges außerhalb des Médoc liegenes Gut auch Château Haut-Brion (Graves) enthalten ist. Die 61 Güter werden als Grands Crus Classés bezeichnet..

Pomerol: In dieser herausragenden Appellation, die keinen Vergleich mit den besten im Bordeaux zu scheuen hat, gibt es erstaunlicherweise kein Klassifikationssystem.

Rhône: Es gibt 16 Appellationen, die sich als Cru bezeichnen dürfen, womit sie als Spitzenappellation gelten (es gibt aber keine weitere Abstufung, wie z. B. im Burgund). Im weiteren Sinne zählen sie zur Appellation Côtes du Rhône, deshalb wird am Etikett zusätzlich zur Appellation „Cru des Côtes du Rhône“ angeführt.

Saint-Émilion: Hier wurde im Jahre 1955 eine Klassifizierung für Weine bzw. Weingüter eingeführt, die regelmäßig aktualisiert wird. Es gibt die vier Qualitätsstufen Premier Grand Cru Classé A, Premier Grand Cru Classé B, Grand Cru Classé und Grand Cru.

Sauternes: Es gibt keine als Grand Cru bezeichnete Klasse. Die 1855 festgelegten drei Stufen sind Premier Cru Classé Supérieur (als einziges Weingut Château d’Yquem), Premieur Cru Classé und Deuxième Cru Classé.

Auch außerhalb Frankreichs werden der Begriff Grand Cru oder sinngemäß entsprechende Bezeichnungen für Lagen und/oder Weine verwendet:

Deutschland: Hier werden gemäß dem ab dem Jahrgang 2012 geänderten/erweiterten VDP-Klassifikationsmodell die Lagen bzw. Weine in der absteigenden Reihenfolge Grosse Lage (Wein = Grosses Gewächs), Erste Lage, Ortswein und Gutswein klassifiziert. Siehe bezüglich Historie auch unter Preußische Lagenklassifikation.

Italien: Hier werden besondere Bereiche innerhalb einer DOC/DOCG-Zone als Vigna bezeichnet mit zumeist noch strengeren weingesetzlichen Bestimmungen bezüglich Alkoholgehalt. Am Etikett scheint Vigna plus Lagenname (Weinbergname) auf. Im Piemont werden für besondere Lagen u. a. die Begriffe Bricco oder Sori verwendet. Der in vielen DOC-Namen verwendete Begriff Colli (Hügel) deutet auf eine exponierte Hanglage mit starker Neigung hin.

Österreich: Hier gibt es zwar traditionell eine ausgeprägte Lagen- bzw. Riedenkultur, jedoch kein offizielles Klassifizierungs-System. Einzelne Gruppierungen wie die Steirischen Terroir- und Klassikweingüter, Traditionsweingüter Österreich und WienWein bemühen sich darum. Die im Jahre 2002 eingeführte Herkunftsbezeichnung DAC entspricht der französischen Appellation.

Schweiz: Hier ist Grand Cru die höchste Klassifizierungsstufe von Lagen. Die Normen je Region sind von Rebsorten und Terroir abhängig. Grands Crus gibt es in den Regionen Waadt mit zum Beispiel Calamin und Dézaley; sowie Ostschweiz, Wallis und Tessin.

Spanien: Hier wurde 2003 für besondere Lagen der Begriff Vino de Pago eingeführt.

Neue Welt: Hier spielt die Lage in der Regel keine bedeutende Rolle. In einzelnen US-Bundesstaaten ist aber eine Lagenkultur im Entstehen. Siehe auch unter Generic.

Siehe eine umfassende Aufstellung aller Gebietsbezeichnungen unter dem Stichwort Rebfläche. Alle erforderlichen Hilfsmittel sowie Arbeiten und Maßnahmen im Weinberg während des Vegetationszyklus findet man unter dem Stichwort Weingartenpflege. Komplette Aufstellungen der zahlreichen Kellertechniken, sowie eine Liste der weingesetzlich geregelten Wein-, Schaumwein- und Destillat-Typen sind unter Weinbereitung enthalten. Umfassende weinrechtliche Informationen gibt es unter dem Stichwort Weingesetz.

Weltweit größte Weinwissens-Datenbank, gemacht mit von unserem Autor Norbert Tischelmayer.

Über das Glossar

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