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Jurançon

Die Appellation liegt in den Vorläufern der Pyrenäen im Südwesten der region Südwest-Frankreich. Sie ist zum Teil deckungsleich mit der Appellation Béarn. Wahrscheinlich gab es hier schon vor 2.000 Jahren um die Zeitenwende Weinbau, was römische Mosaiken aus dieser Zeit vermuten lassen. Bereits im 14. Jahrhundert wurden über Beschluss des Parlaments von Navarra die Rebflächen dieses Gebietes als besondere Weinberglagen (Crus) definiert. Unter anderem wurde damals auch verboten, ausländische Weine einzuführen. Man kann das als einen der ersten Versuche einer Klassifizierung bzw. geschützten Herkunfts-Bezeichnung verstehen. Übrigens wurde Jurançon Ende der 1930er-Jahre als einer der ersten französischen Bereiche als AOC klassifiziert. Angeblich soll der König von Navarra Anton von Bourbon (1518-1562), bei der Taufe seines Sohnes und späteren Königs und großen Weinliebhabers Heinrich IV. (1553-1610) dessen Lippen damit benetzt haben.

Tatsache ist, dass sich der Wein aus Jurancon als Standardwein für feierliche Zeremonien des französischen Herrscherhauses etablierte. Er wurde damals in rot und weiß erzeugt. Die Reblaus vernichtete Ende des 19. Jahrhunderts großteils die Rebflächen, aber danach erfolgte eine Wiederbestockung mit den alten Rebsorten. Der Jurançon wurde in großem Umfang nach Holland und bis nach Amerika exportiert. Die bekannte französische Schriftstellerin Sidonie-Gabriele Colette (1873-1954), Verfasserin von „Chéri“ und „Gigi“, schrieb über ihn: „Als junges Mädchen machte ich die Bekanntschaft eines Prinzen - feurig, herrisch und heimtückisch wie alle großen Verführer: Jurançon.“. Dies trug natürlich zum Ruhm des Weines bei.

Die Weingärten umfassen rund 1.000 Hektar an südwärts gerichteten Hängen in 300 bis 600 Meter Seehöhe mit relativ kühlem Klima. Die Reben werden bis zwei Meter hoch in der Erziehungsform Espalier erzogen, was vor den Bodenfrösten schützt. Die langen, sonnigen Herbste ermöglichen eine sehr späte Ernte bis hinein in den Dezember. Die den süßen Sauternes-Weinen ähnliche, traditionelle Jurançon-Version ist ein konzentrierter, süßer Weißwein aus überreifen bzw. getrockneten Trauben (siehe auch unter Passerillé). Dafür ist besonders gut die kleinbeerige und dickschalige Rebsorte Petit Manseng geeignet, die extrem niedrige Erträge (oft nur 15 hl/ha, zugelassen sind 40 hl/ha) erbringt. Nur unter diesen Bedingungen kann ein hochwertiger süßer Jurançon entstehen. In kleinen Anteilen sind auch Courbu Blanc, Camaralet de Lasseube, Gros Manseng, Lauzet und Petit Courbu enthalten.

Der schwere Wein weist auch eine schöne, ausgewogene Säure auf und ist sehr langlebig. Als eigene Apperllation wurde im Jahre 1975 Jurançon sec klassifiziert. Dies ist eine trocken ausgebaute Variante aus den Sorten Gros Manseng und Courbu Blanc. Dieser Wein kann auch in witterungsbedingt schlechteren Jahren erzeugt werden und macht etwa Dreiviertel der Produktion aus. Beide Weine haben einen charakteristischen, grünlichen Schimmer, der sich mit der Alterung noch vertieft. Bekannte Produzenten sind Domaine du Bellegarde, Clos Bellevue, Domaine Bordenave, Domaine de Cabarrouy, Domaine de Capdevielle, Domaine Castéra, Domaine Cauhapé, Domaine Gaillot, Clos Guirouilh, Château Jolys, Cru Lamouroux, Clos Lapeyre, Domaine Larredya, Domaine Nigri und Clos Uroulat.

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