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Kelten

Sammelbezeichnung für ein Volk, das einst große Teile West-, Mittel- und Südost-Europas sowie Kleinasiens bewohnte. Der Name bedeutet „die Tapferen“, „die Erhabenen“ oder „die Hohen“, im Griechischen wurden sie als „Keltoi“, im Lateinischen als „Celtae“ oder „Galli“ bezeichnet. Sie kamen bis nach Palästina und waren die in der Bibel als „Galater“ erwähnten Feinde der Israeliten. Die Kelten waren aber nie ein geschlossenes Volk mit oberster Führung, sondern bestanden aus vielen oft miteinander rivalisierenden Stämmen. Das waren z. B. Allobroger, Arverner, Biturigen, Boier, Helvetier, Häduer und Sequaner. Die im heutigen Frankreich lebenden Kelten-Stämme wurden gesamtheitlich als „Gallier“ bezeichnet. Die oberste Macht bei den Stämmen lag bei den Equites (Ritterschaft) und den Druiden. Die früheste Erwähnung der Kelten erfolgte im 5. Jahrhundert v. Chr. durch Herodot (482-425 v. Chr.). Zu dieser Zeit begannen sie, in die italienische Poebene und in den Balkan einzuwandern.

In Italien kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Etruskern. Die Kelten besetzten die heutige Lombardei und gründeten Mailand. Auch die Städte Paris, London und Budapest gehen auf keltische Gründungen zurück. Im Jahre 387 v. Chr. schlugen sie auch die Römer in der Schlacht an der Allia und plünderten Rom. Ab Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. dehnten die Römer ihren Herrschaftsbereich auf die keltisch besiedelten Gebiete Norditaliens aus. Julius Cäsars (100-44 v. Chr.) Kämpfe in Gallien führten zur völligen Unterwerfung der Kelten und Einverleibung ihres Gebietes in das Römische Reich als „Gallia cisalpina“. Im Jahre 16 v. Chr. begannen die Römer mit der Eroberung der späteren Provinzen Noricum (Niederösterreich), Pannonien (ungarische Tiefebene) und Raetien (Alpen und Südwest-Deutschland). Damit verloren auch die restlichen keltischen Stämme nach und nach ihre Unabhängigkeit. Viele Kelten traten daraufhin in das römische Heer als Legionäre ein.

Die Kelten hatten große handwerkliche Fähigkeiten für Holz- und Metall-Bearbeitung und besaßen eine hoch entwickelte Kultur bezüglich Kunst, Musik und Literatur. Eine keltische Schrift wurde aber nie entwickelt, ob es eine gemeinsame Sprache gegeben hat, ist unklar. An ihren Herrscherhöfen spielte bei üppigen Festgelagen der Weingenuss mit Ritualen eine bedeutende Rolle, was durch viele archäologische Artefakte aus Keltengräbern des 6. Jahrhunderts v. Chr. bezeugt wird. Es wurden an vielen Orten in Deutschland und Frankreich Kessel, Krüge und Krater (zum Mischen von Wein mit Wasser) gefunden, die jenen von den Griechen bei Symposien (Festgelagen) verwendeten Gefäßen stark ähneln. Der bekannteste und größte Fund ist der berühmte Krater von Vix.

Im Gegensatz zu den Römern tranken aber die Kelten unvermischten Wein, was spätere römische Autoren unverständlich und unzivilisiert fanden. Der Geschichtsschreiber Livius (59 v. Chr.-17 n. Chr.) behauptet, dass die Wein-Leidenschaft der Kelten der Grund für ihren Einfall im 4. Jahrhundert v. Chr. im Mittelmeerraum war. Bei einigen Stämmen aber war der Weingenuss verboten, weil man um die Männlichkeit fürchtete. Und die Druiden standen dem Getränk prinzipiell kritisch gegenüber. Den Weinbau lernten die in Gallien lebenden Kelten vermutlich von den Griechen (und später auch Römern), die in der Provence in Südfrankreich um etwa 600 v. Chr. bei Massalia (lat. Massilia = Marseille) ansiedelten. Im übrigen Gallien gab es damals wahrscheinlich nur vereinzelt Weinbau.

Zumindest schon um 600. v. Chr. verwendeten die Kelten in großem Umfang Holzfässer für den Transport. Diese verdrängten dann später die bis dahin üblichen Amphoren, die von den Griechen um Massalia in großer Menge hergestellt wurden. Besonders die Kelten im heutigen Bereich Cahors (Südwest-Frankreich) waren ausgezeichnete Küfer. Die Griechen und später auch die Römer haben diese Kunst von den Kelten übernommen. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. begannen die gallischen Kelten in großen Mengen Wein aus Griechenland und später auch Italien einzuführen. Der griechische Historiker Diodorus Siculus (90-21 v. Chr.) schreibt voll Erstaunen und Bewunderung über die Tüchtigkeit der italischen Händler: „Für eine Amphore Wein erhandeln sie einen Sklaven und tauschen so das Getränk gegen den Mundschenk ein“. Das war somit sicher nicht der wahre Gegenwert.

Ob die Kelten schon vor den Griechen Weinbau betrieben ist bei den Historikern umstritten, aber nach ihren vielen übrigen Fähigkeiten zu schließen sehr wahrscheinlich. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere (23-79) schreibt in seinem Werk „Naturalis Historia“, dass die Gallier beim Rebstock die Kunst des Pfropfens (Veredelung) beherrschten. Keltische Weinkultur bezeugen zahlreiche archäologische Artefakte in vielen Ländern, vor allem in Frankreich. Sehr alte Funde gab es zum Beispiel auch in den österreichischen Gemeinden Stillfried (NÖ) und Zagersdorf (Burgenland). Siehe auch unter den Stichwörtern Antike Weine und Antike Rebsorten sowie Trinkkultur.

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