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Libanon

In der Antike zählte das Gebiet zu den Wiegen der Weinkultur (siehe auch unter Mesopotamien). Ein Teil davon gehörte zum in der Bibel beschriebenen Kanaan der Israeliten. Der nördliche Teil zählte zu Phönikien, zu dem auch Küstenabschnitte des heutigen Syrien gehörten. Im Kerngebiet an der Mittelmeerküste und auch weit außerhalb davon entstanden zahlreiche phönikische Stadtstaaten. Die bedeutendsten in den heutigen Grenzen des Libanon waren Berytos (Beirut), Byblos (Djebeil), Sidon (Sayda) und Tyros (Sur). Die Phöniker herrschten hier unter zeitweilig starkem Einfluss von Ägypten und Assyrien vom 3. Jahrtausend bis zur Eroberung durch Alexander den Großen (356-323 v. Chr.) im Jahre 330 v. Chr. Nach Ausgrabungen in Byblos gab es hier bereits vor 5.000 Jahren eine Weinbaukultur. In Baalbek (grch. Heliopolis), dem heutigen Weinbauzentrum von Libanon im Bekaa-Tal, steht der im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaute Tempel für den Weingott Bacchus. Im Verlaufe der Jahrhunderte gab es eine bewegte Geschichte mit ständig wechselnden christlichen und islamischen Herrschaftsbereichen.

In begrenztem Umfang wurde in einigen Teilbereichen davon aber immer Weinbau betrieben und noch im Mittelalter waren die süßen Weine aus Tyros und Sidon sehr beliebt. Im 13. Jahrhundert gehörte das Gebiet lange Zeit zum Herrschaftsbereich Venedigs und Wein wurde von hier in viele europäische Länder verschifft. Durch die osmanische Eroberung Anfang des 16. Jahrhunderts und dem Alkoholverbot kam der Weinbau völlig zum Erliegen. Dieser wurde erst von französischen Kolonisten wiederbelebt, als im Zeitraum 1920 bis 1946 das Land französisches Mandats-Gebiet war. Bis zum Ende der 1970er-Jahre war im Libanon die Nachfrage nach Wein, vor allem unter der westlich orientierten christlichen Bevölkerung, deren Anteil rund die Hälfte beträgt, sehr hoch.

Mit Beginn des Bürgerkrieges ab dem Jahre 1975 ging aber der Konsum schlagartig zurück, und die meisten Weinberge wurden zerstört. Nur das Kultweingut Château Musar blieb bestehen und musste nur in den Jahren 1976 und 1984 auf die Ernte verzichten. Nach Ende des Krieges erholte sich der Weinbau wieder. In den 1990er Jahren wurde viel Geld in die Modernisierung der Weingüter investiert und mittlerweile gelten die Weine der beiden großen Château-Musar-Herausforderer Château Kefraya und Château Ksara qualitativ als nahezu ebenbürtig. Im Jahre 2012 umfasste die Rebfläche 14.000 Hektar. Davon wurden 90.000 Hektoliter Wein gewonnen. Es werden auch große Mengen des Branntweines Arrak, sowie Rosinen und Tafeltrauben produziert.

Die wichtigsten Kelterebsorten sind die von den Franzosen eingeführten roten Cabernet Sauvignon, Carignan Noir (Mazuelo), Cinsaut, Grenache Noir (Garnacha Tinta), Mourvèdre (Monastrell), Merlot und Syrah, sowie die weißen Clairette, Sauvignon Blanc, Merwah (Sémillon), Obaideh (Chardonnay), Ugni Blanc (Trebbiano Toscano) und Viognier. Weiters gibt es auch einige autochthone Reben. Der Großteil der Rebflächen liegt auf der Hochfläche von Ksara im Bekaa-Tal in einer Seehöhe von durchschnittlich 1.000 Metern. Die meisten Reben wachsen als niedrige Büsche. Das Klima ist für den Weinbau ideal, denn es gibt bis zu 300 Sonnentage im Jahr, kühle Nächte und ausreichenden Niederschlag. Bekannte Produzenten sind Château Fakra, Château Kefraya, Château Ksara, Château Musar, Clos St. Thomas, Domaine Wardy, Héritage, Kouroum, Massaya und Nakad.

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