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Das größte Weinlexikon der Welt

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Messwein

Bibel und Meswein Beim christlichen Glauben spielt der Messwein (auch Altarwein) eine zentrale Rolle bei der nicht nur symbolisch zu verstehenden Wandlung von Brot und Wein in Christi Fleisch und Blut (Transsubstantiation), was auf das erste Abendmahl im Neuen Testament der Bibel zurückgeht. Deshalb hat Wein in der katholischen Kirche immer eine wichtige Rolle gespielt und war (auch) Motivation dafür, sich besonders bezüglich Weinbau und Weinbereitung zu bemühen. In Europa haben sich besonders die drei Mönchsorden der Benediktiner, Kartäuser und Zisterzienser große Verdienste erworben. Bei der Eroberung der Neuen Welt durch spanische und portugiesische Konquistadoren ab Anfang des 16. Jahrhunderts war die Anpflanzung von mitgebrachten Rebstöcken und die Herstellung von Messwein auch der Beginn und Anstoß der Weinbaukultur in Nord- und Südamerika. Dabei spielten die Mönchsorden der Franziskaner in Kalifornien und der Jesuiten in Peru eine bedeutsame Rolle.

Zahlreiche heute noch dort angepflanzte Rebsorten haben ihren Ursprung aus dieser Zeit, zum Beispiel die historische Mission/Misión (Listán Prieto) und Sorten der Criolla-Gruppe. In den Anfängen der christlichen Gemeinschaft wurde bei der Messe an alle (Priester und Laien) Wein und Brot ausgegeben und das Abendmahl von allen Gläubigen „in beiderlei Gestalt“ genossen. Dies hat sich dann im Verlaufe der Jahrhunderte geändert und wurde nicht mehr allgemein und überall praktiziert. Aus rein praktischen Beweggründen (zum Beispiel Weinmangel oder hygienische Gründe) wurde an die Laien zumeist nur mehr Brot in Form der Hostie ausgeteilt und nur der zelebrierende Priester genoss stellvertretend für die Gemeinde auch Wein aus dem Messkelch.

Im Rahmen der Reformation setzten sich zuerst Johann Hus (1369-1415), sowie auch Martin Luther (1483-1546) und Johann Calvin (1509-1564) vehement dafür ein, wieder zu den christlichen Ursprüngen zurück zu kehren. Ebenso wurde von den Reformatoren gefordert, unbedingt Wein (und nicht etwa Traubensaft oder andere Getränke) zu verwenden und den Wein auch nicht mit Wasser zu vermischen. Diesbezüglich kam es zum so genannten „liquororistischen Streit“ innerhalb der Kirche (siehe dazu unter Eucharistie). Dieser Brauch setzte sich dann in allen reformatorischen Kirchen durch, während in der römisch-katholischen Kirche weiterhin der Wein nur dem Priester zugestanden wurde. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wurde der Messwein auch hier für die Laien (nur) bei besonderen Anlässen und bei einzelnen Messen wieder zugelassen.

Die Beschaffenheit von Messwein ist im römisch-katholischen Kirchenrecht unter dem Canon 924 §3 knapp gehalten und weit weniger reglementiert, als man vielleicht glauben möchte: „Vinum debet esse naturale de genimine vitis et non corruptum“ (der Wein muss naturrein und aus Weintrauben gewonnen werden und darf nicht verdorben sein). Die Vorgabe „naturrein“ (naturbelassen) schloss früher auch eine Filtration und Stabilisierung aus. Davon ist man aus guten Gründen abgegangen, das heißt, es ist eine Eiweiß-Stabilisierung üblich. Die einzig konkrete Vorgabe ist, dass kein Anreichern (Zugabe von Zucker zum Traubenmost zwecks Alkoholerhöhung) erfolgen darf. Es ist auch kein Alkoholgehalt vorgeschrieben.

Bis etwa Mitte des 15. Jahrhunderts wurde ausschließlich Rotwein verwendet, da dieser gut zur Symbolisierung des Blutes Christi passte. Papst Sixtus IV. (1414-1484) ließ 1478 zum ersten Mal Weißwein zu. Heute kann jeder Qualitätswein verwendet werden. Messwein kann weiß oder rot, trocken bis süß und auch vom Typ unterschiedlich ein Stillwein, Dessertwein oder Schaumwein sein. Es wird aber zumeist Weißwein genommen. Rotwein ist aus praktischen Gründen unbeliebt, da allfällige Flecken auf Altartuch oder Messgewand leicht sichtbar sein würden. Im August 2014 wurde von den deutschen Bischöfen die aus 1976 stammende Messweinverordnung aufgehoben. Als Begründung wurde genannt, dass das deutsche Weinrecht für eine gute Weinqualität sorge und weitgehend die Beimischung von Fremdstoffen verbiete. Auch eine besondere Zulassung spezieller Messweinlieferanten ist nicht notwendig. Bei der Heiligen Messe ist darauf zu achten, dass nur Weine verwendet werden, die mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweines entsprechen und so der Würde des Sakramentes Genüge getan werde.

Um Weinverfälschung auszuschließen, gab es früher in vielen Ländern die Vorschrift, dass Messwein von eigens vereidigten Herstellern bezogen werden muss, wenn der naturreine Herstellungs-Prozess nicht persönlich durch Augenschein sichergestellt werden konnte. Diese Vorschrift existiert heute nicht mehr, obwohl sich viele Produzenten bis heute mit dem Titel „vereidigter Messweinlieferant“ schmücken. Aus Gewohnheit kaufen aber viele Pfarreien weiterhin beim lange bewährten Messwein-Hersteller. Ein als Messwein bezeichneter Wein darf für die Pfarrer der Diözese, aber auch im freien Verkauf angeboten werden. Aus Gewohnheitsrecht ergibt sich, dass weiterhin Süßweine verwendet werden dürfen, die nicht den obengenannten Qualitäts-Merkmalen entsprechen. Früher waren Süßweine sehr beliebt, weil diese haltbarer sind.

Der süße Vinsanto von der griechischen Ägäisinsel Santorin war einst der Messwein der russisch-orthodoxen Kirche und ein bedeutender Export-Artikel. Die griechisch-orthodoxe Kirche verwendet heute noch gerne süßen Samos aus Griechenland. In Italien wird oft ein Vin Santo (Heiliger Wein) als Messwein verwendet. Auch andere spezielle Weine wie zum Beispiel Madeira, Portwein und Sherry sind zulässig. In den USA wird zum Beispiel in einzelnen Staaten auch ein Mess-Schaumwein produziert. Wein spielt auch im Judentum bei religiösen Ritualen eine wichtige Rolle. Für die Herstellung von koscherem Wein gibt es aber viel strengere Bestimmungen als für den Messwein.

Weltweit größte Weinwissens-Datenbank, gemacht mit von unserem Autor Norbert Tischelmayer.

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