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Oudart Louis

Der berühmte französische Weinbau-Wissenschaftler Louis Oudart gilt als Geburtsvater der weltberühmten italienischen DOCG-Rotweine Barbaresco und Barolo. Er wurde um das Jahr 1850 von Giulietta Falletti, der Marquesa von Barolo (*1785) in die Gemeinde Barolo in der italienischen Region Piemont berufen, um sie dort auf ihrem Weingut beratend zu unterstützen. Oudart war von der hier kultivierten Sorte Nebbiolo sehr angetan und erkannte deren großes Potential. Er experimentierte mit einem damals nicht praktizierten trockenen Ausbau. Den Einheimischen gelang dies kaum, der Wein geriet zumeist relativ süß und unstabil und besaß nur eine kurze Lebensdauer. Durch die späte Reife der Nebbiolo bedingt erfolgte die Gärung in den kalten Monaten November und Dezember und für ein komplettes Durchgären unter diesen Umständen waren die damaligen Hefen nicht geeignet. Ein weiterer maßgeblicher Grund war die mangelnde Reinlichkeit bei der Weinbereitung.

Für die kellertechnischen Versuche stellte König Viktor Emanuel II. (1820-1878) sogar sein Jagdhaus Fontanafredda in den Bergen von Serralunga d’Alba (Provinz Cuneo) und sein Sohn Emanuele Alberto (1851-1894) die Weinberge rund um das Jagdhaus zur Verfügung. Auf diese Unterstützung durch das damalige Herrschergeschlecht ist höchstwahrscheinlich die Bezeichnung „Wein der Könige - König der Weine“ für den Barolo zurück zu führen. Im Keller setzt Oudart auf die Techniken aus der kühlen Champagne, wo dieses Problem bekannt war. Er verlegte den Gärungsprozess in neu angelegte, unterirdische Weinkeller und sorgte für gleichbleibende optimale Temperaturen und höchste Sauberkeit (wie genau er das schaffte, ist nicht bekannt). Louis Oudart gelang es damit, einen vollständig trocken ausgebauten, langlebigen Barolo zu keltern und der Siegeszug begann. Der neue Weintyp fand schnell Gefallen in Turin und gehörte zu den Lieblingsgetränken im Haus Savoyen (Herrscher über Piemont).

Der Önologe unterstützte dann in ähnlicher Weise auch den Grafen und späteren Minister-Präsidenten von Sardinien Camillo Cavour (1810-1861), der in London moderne Landwirtschaft studiert hatte. Dieser besaß einen Weinberg in den Monferrato-Bergen und wollte in der Region unter anderem neue Weinbereitungs-Techniken einführen. Im Jahre 1862 wiederholte sozusagen dann Oudart auf desen Weingut Castello di Neive in der Gemeinde Barbaresco den mit dem Barolo erzielten Erfolg. Der dort trocken ausgebaute Wein aus der Nebbiolo-Traube wurde in London preisgekrönt – er hieß aber noch sehr lange nicht Barbaresco. Unter diesem Namen wurde der Rotwein erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekannt.

Einige Indizien deuten darauf hin, dass es mit gewisser Wahrscheinlichkeit einen Louis Oudart nie gegeben hat (obwohl alle bekannten Autoren wie zum Beispiel Jancis Robinson, Hugh Johnson und andere diesen Namen genau so nennen). Im Netz werden die Namen Louis Oudart, Louise Oudart (sic) und Louis Odart genannt. In der französischen Literatur findet man keinen Oudart, der im 19. Jahrhundert Bemerkenswertes im Weinbau geleistet hätte. Möglicherweise hat also irgendwann irgendwer den Namen vielleicht falsch geschrieben – und alle haben in der Folge voneinander abgeschrieben. Wer steckt also hinter dieser Person tatsächlich? Nun - einiges spricht für Alexandre-Pierre Odart (1778-1866). Dieser war ein bekannter Önologe, hatte gute Kontakte zum italienischen Königshaus, seine Lebensdaten, seine internationale Erfahrung und die Bezeichnung Comte Odart passen, denn in der italienischen Literatur ist beim Barolo häufig vom berühmten Conte Odart die Rede.

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