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Pernod Ricard

Riesiger französischer Wein- und Spirituosen-Multi, der hinter dem US-Multi Diageo am zweiten Platz liegt. Der Ursprung des Unternehmens liegt in der weltweit bekanntesten Anis-Spirituose. Die Grundlage dafür ist die als Stern-Anis bezeichnete Frucht des Badianen-Baums, der im Grenzgebiet zwischen China und Vietnam beheimatet ist. Zur Herstellung von Pernod benötigt man das daraus destillierte ätherische Öl (Anethol). Aus etwa 100 kg der Frucht wird ein Kilogramm Anethol gewonnen. Anethol wird dann mit vielerlei Kräutern, wie Fenchel, Koriander und Minze, versetzt und nochmals destilliert, um eine absolute Reinheit zu erreichen. Die fertige Essenz wird dann noch mit Zucker, Wasser und dreifach destilliertem Alkohol versetzt. In Frankreich werden aus verschiedenen Grundstoffen destillierte und dann mit Anis gewürzte Spirituosen als „Anisée“ bezeichnet. Aus dem Grundstoff Anis produzierte Spirituosen heißen Pastis. Das sind Pastis 51 (seit 1951 erzeugt) und Ricard.

Erfinder des Pernod ist der französischstämmige Dr. Ordinaire, der während der Französischen Revolution in die Schweiz emigrierte. Mit Hilfe von Wermut, Fenchel und Anis entwickelte er ein Rezept für ein belebendes Anisgetränk. Im Jahre 1797 verkaufte er es an einen gewissen Major Dubied, der dann mit seinem Schwiegersohn Henri-Louis Pernod (1776-1851) in der Schweiz eine industrielle Absinth-Destillerie gründete. Das Getränk wurde ungeheur populär und wurde unter dem neuen Markennamen Pernod weltberühmt. Henri-Louis Pernod gründete 1805 eine zweite Destillerie in Pontalier und die Firma Pernod Fils. Seine absolute Blütezeit erlebte der Pernod Mitte des 19. Jahrhunderts. Allerdings enthielt er damals noch Absinth und hatte einen hohen Alkoholgehalt von 65 bis 75% vol. In dieser Form wurde zum Kultgetränk unter den Künstlern Frankreichs.

Diese entwickelten auch ein berühmtes Absinth-Ritual. Ein mit Pernod gefülltes Glas wurde mit Wasser, das über einen perforierten Löffel mit einem Stückchen Zucker darauf gegossen wurde, aufgefüllt. Die Mischung wurde unter dem Namen „La fee verte“ (Grüne Fee) populär. Bei der Mischung mit Wasser entsteht wie bei allen Anisgetränken eine milchige Verfärbung, der sogenannte Louche-Effekt. Im Jahre 1915 wurde über die Herstellung und den Verkauf von Pernod die Prohibition verhängt. Die Firma musste geschlossen werden. Aber schon 1920 wurde der Pernod wieder legalisiert, allerdings in einer stark entschärften Form. Es durfte kein Absinth mehr enthalten sein und der Alkoholgehalt wurde stark reduziert, heute hat er etwa 40% vol. Ansonsten blieb das bis zum heutigen Tage geheime Originalrezept erhalten. Der Pernod entwickelte sich nun sozusagen zum Nationalgetränk der Franzosen. Er ist auch ein wichtiger Bestandteil von zahlreichen Cocktails.

Im Jahre 1975 erfolgte die Fusion der zwei französischen Pastis-Imperien Pernod und Ricard. Der Hauptsitz ist in Paris, aber es sind durch Kauf zahlreicher Unternehmen und Marken Stützpunkte auf der ganzen Welt hinzugekommen. Der Beginn erfolgte 1989 mit Kauf der australischen Firma Orlando mit dem berühmten Markenwein Jacob’s Creek. Damit in Zusammenhang wurden eine Reihe weiterer australischer Kellereien bzw. Marken einverleibt. Das sind zum Beispiel Carrington, Coolabah, Gramp’s, Morris, Poets Corner, Plantaganet, Richmond Grove, Wickham Hill und Wyndham. Schließlich wurde 2005 der britische Konkurrent Allied Domecq um € 10,7 Milliarden aufgekauft. Unter anderem kamen dadurch der neuseeländische Multi Montana und damit weitere neuseeländische Kellereien bzw. Marken hinzu. Das sind zum Beispiel Church Road, Corbans, Framingham, Lindauer, Longridge, Saints, Stoneleigh, Tamaki und Triplebank. Einige dieser Betriebe existieren nur mehr als Marken, da die Produktion auf weniger Standorte konzentriert wurde.

Zum Weinportfolio zählen noch Domecq Bodegas (12 Weingüter in Spanien), Balbi, Etchart und Graffigna (Argentinien), Almaden (Brasilien), Georgia Wine & Spirits (Georgien), sowie Long Mountain (Südafrika). Im Zuge der Zerschlagung von Allied Domecq wurden auch die Marke Domecq, sowie die zahlreichen Domecq Sherry- und Brandy-Marken übernommen. Anfang 2008 wurden die Sherry- und Brandymarken an den spanischen Getränkemulti Osborne verkauft; die Marke Domecq bleibt aber nach wie vor in Besitz von Pernod Ricard. Zum Besitz zählen auch die zwei Champagnermarken Mumm und Perrier-Jouët. Für die Portwein- und Sherrymarke Sandeman (Sogrape) gibt es das weltweite Vertriebsrecht.

Im Jahre 1988 wurde der Multi Irish Distillers mit allen damals produzierenden irischen Whisky-Brennereien gekauft. Es ging weiter mit der armenischen Brandyfabrik Yerevan Brandy Company 1998 und der Spirituosensparte von Seagram 2001. Zum Imperium gehören dadurch auch eine große Palette bedeutender Spirituosen- und Likörmarken. Das sind unter anderem Ballantines, Beefeater, Becherovka, Byrrh, Chivas Regal, Clan Campbell, Dubonnet, Four Roses, Glendronach, Grappa Fior di Vite, Havana Club, Hiram Walker, Jameson, Janeiro Cachaça, Kahlua, Malibu, Martell, Olmeca, Pernod, Ramazzotti, Ricard, Seagram’s, Stolichnaya, Tia Maria und Wild Turkey. Im Jahre 2010 waren im Riesenkonzern weltweit über 18.000 Mitarbeiter beschäftigt, das Umsatzvolumen betrug € 3,8 Milliarden. Siehe auch unter Globalisierung und größte Weinfirmen der Welt.

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