Registrieren Anmelden

Das größte Weinlexikon der Welt

22.509 Stichwörter • 49.700 Synonyme • 5.294 Übersetzungen • 7.929 Aussprachen • 145.327 Querverweise

0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Peynaud Émile

Porträt Prof. Émile Peynaud Der französische Önologe Émile Peynaud (1912-2004) war einer der bedeutendsten Weinkritiker, Wissenschaftler und Lehrer auf diesem Gebiet. Er arbeitete eng mit dem „Vater der Weinwissenschaft“ Jean Ribérau-Gayon zusammen und kam nach dem Zweiten Weltkrieg an das Institut d’Oenologie der Universität Bordeaux. Ab Ende der 1940er-Jahre fungierte er für viele Châteaux in Bordeaux in Fragen der Weinbereitung als Berater. Die Auslese nur gesunder und vor allem reifer Trauben war ihm ein wichtiges Anliegen und diesbezüglich bemühte er sich besonders, dem Bordeauxwein mehr Ausgewogenheit und Langlebigkeit zu verleihen. Die Liste liest sich wie ein „Who is who“ der berühmtesten Bordeaux-Châteaux:

Château Beychevelle, Château Lafite-Rothschild, Château Léoville-Las-Cases, Château Margaux, Château Cheval Blanc, Château Ducru-Beaucaillou, Château Haut-Brion, Château Pape-Clément und Château Pichon-Longueville Comtesse. Dies führte ihn später in viele Weingüter der Welt, unter anderem war er als Berater bei der Gründung der berühmten Weingüter Carras (Meliton-Griechenland, 1960er) und Ca’ del Bosco (Lombardei-Italien, 1970er) beteiligt. Er strebte stets danach, bei der Vinifikation möglichst nichts dem Zufall zu überlassen und prägte bereits Anfangs der 1950er-Jahre heute selbstverständlich gewordene Praktiken. Dazu zählen die durch wissenschaftliche Forschung erlangte Beherrschung der malolaktischen Gärung und die Maischegärung bei Rotweinen.

Peynaud schrieb zahlreiche Weinbücher sowie rund 300 Abhandlungen rund um die Weinbereitung. Er hatte eine große Begabung, sein Wissen in verständlicher und fesselnder Art und Weise weiterzugeben. Ebenso für wichtig befand er die Fähigkeit, richtig zu verkosten und wurde zum absoluten Spezialisten. Subjektivität und Objektivität bei einer Weinbewertung sind immer wieder Gegenstand hitziger Debatten, wobei zweiteres oft bezweifelt wird. Dazu bemerkte er in seinem Buch „Die hohe Schule für Weinkenner“, das im Jahre 1985 erstmals erschienen ist: „Das Paradoxe an der Degustation ist die Tatsache, dass sie ein objektives Verfahren sein möchte, aber mit subjektiven Mitteln in dem Sinn arbeitet, dass diese in einer Beziehung zum untersuchten Gegenstand stehen.

Der Wein ist das Objekt, der Degustator das Subjekt. Die menschlichen Sinne werden als Messinstrumente benutzt. Man kann Regeln für ihre einwandfreie Funktion festlegen, ihre Präzision erhöhen, Fehlerquellen ausschalten, aber der Verkoster ist doch nicht nur Ausführender, sondern gleichzeitig auch Interpret und Richter. Der Degustator muss kühl und präzise in seiner geschmacklichen Analyse sein, streng in seinen Folgerungen, aber engagiert in seinem Urteil.“
Peynaud betrachtete die richtige Weinverkostungs-Fähigkeit als ebenso wesentlich für eine optimale Weinbereitung wie ein gründliches Wissen über Önologie. Übrigens war Peynaud ein strikter Gegner des Dekantierens zum Zweck des Sauerstoffkontakts, den er sogar für negativ fand. Siehe auch unter Weinansprache.

Weltweit größte Weinwissens-Datenbank, gemacht mit von unserem Autor Norbert Tischelmayer.

Über das Glossar

Kalender Veranstaltungen in deiner Nähe

Hinweis:

×
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.