Registrieren Anmelden

Das größte Weinlexikon der Welt

22.776 Stichwörter • 48.499 Synonyme • 5.298 Übersetzungen • 7.909 Aussprachen • 151.246 Querverweise

0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Pisco

Bezeichnung (auch Pichiu, Pisccu, Pisku, Phishgo) für einen Branntwein, der in Chile und Peru als Nationalgetränk gilt. Das ausschließliche Recht, ein Getränk namens Pisco herzustellen, wird von beiden Ländern beansprucht und war Gegenstand langer juristischer Auseinandersetzungen. Der Name bedeutet nach der häufigsten Variante „Fliegender Vogel“ (Pisqu in der Inkasprache Quechua); als der man sich angeblich nach dem Genuss fühlt. Nach einer zweiten Variante ist der Name von der im Süden Perus liegenden Hafenstadt Pisco abgeleitet, von der aus der größte Teil der Produktion nach Europa verschifft wird. Nach einer dritten Variante leitet er sich von Gefäßen namens Pisko oder Pisquillo ab. Das bekannteste Mixgetränk auf Piscobasis ist Pisco Sour, der mit Zitronensaft, Zucker und Eiweiß versetzt wird. Pisco sollte aber möglichst pur auch ohne Zugabe von Eis genossen werden. Ein ähnlicher Branntwein ist der Singani aus Bolivien, der jedoch wesentlich aromatischer ist.

Der Pisco wurde durch spanische Siedler bereits Mitte des 16. Jahrhunderts als billigere Alternative zum Tresterbrand Orujo „erfunden“. Die erste dokumentarische Erwähnung im damaligen spanischen Vizekönigreich Peru (zu dem das gesamte von den Spaniern beherrschte Gebiet wie bis 1778 auch Chile gehörte) stammt aus dem Jahre 1613. Er wurde besonders unter den Matrosen auf den langen Schiffahrten zwischen dem Mutterland und den Kolonien schnell beliebt und auch in großen Mengen nach Europa exportiert. In Kalifornien war er während des Goldrausches im späten neunzehnten bis in’s frühe zwanzigste Jahrhundert sehr populär. Er wird hauptsächlich in der Region Ica in den Anbaugebieten Tacama und Ocucaje (hier liegt auch die Hafenstadt Pisco), in der Region um Lima, sowie in den südlichen Regionen Arequipa, Moquegua und Tacna produziert.

Zugelassen sind die nichtaromatischen Sorten Mollar (Negramoll), Negra Corriente (Listán Prieto), Quebranta und Uvina (Pecorino?), sowie die aromatischen Albilla (Albillo Mayor?), Italia, Moscatel (Muscat Blanc) und Torontel (Moscatel Amarillo). Der Alkoholgehalt muss zwischen 38 und 48% vol betragen. Es gibt die Klassen „Puro“ (eine Sorte), „Mosto Verde“ (grüner Most, restsüß durch unterbrochene Gärung), „Aromático“ (aromatische Trauben) und „Acholado“ (Blend verschiedener Sorten). Vor der Abfüllung muss er zumindest drei Monate in geschmacksneutralen Stahl- oder Glastanks lagern. Lagerung im Holzfass und Aromatisieren ist nicht zulässig. Bekannte Produzenten sind Queros (Barsol), Inversiones Alepa, Viña Tacama, Viña Ocucaje, Santiago Queirolo.

In Chile wird der Pisco erst seit dem späten 18. Jahrhundert produziert. Hier erhielt er im Jahre 1931 als erstes alkoholisches Getränk des Landes eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Das Hauptanbaugebiet der Pisco-Trauben befindet im Elqui-Tal im Norden des Landes mit rund 6.000 Hektar Rebfläche. Die zugelassenen Sorten sind Moscatel de Austria (Torrontés Sanjuanino), Muscat d’Alexandrie, Moscatel Rosada, Torrontél (Torrontés Riojano) und Pedro Jimenez (Pedro Ximénez). Nach der Gärung und Destillation erfolgt die Lagerung des hochprozentigen Branntweines in so genannten Rauli-Fässern aus aromatischem Buchenholz zwischen vier Monaten und einem Jahr. Danach wird der Alkoholgehalt herabgesetzt. Es gibt die vier Varianten Pisco Selección (30%), Pisco Especial (über 35%), Pisco Reservado (40%) und Gran Pisco (43% und mehr).

Weltweit größte Weinwissens-Datenbank, gemacht mit von unserem Autor Norbert Tischelmayer.

Über das Glossar

Kalender Veranstaltungen in deiner Nähe

Hinweis: ×

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.