Registrieren Anmelden

Das größte Weinlexikon der Welt

22.776 Stichwörter • 48.497 Synonyme • 5.298 Übersetzungen • 7.909 Aussprachen • 151.258 Querverweise

0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Rebschule

Im Weinbau übliche Anlage bzw. ein Betrieb für die Aufzucht von Pfropfreben und Unterlagsreben analog einer Baumschule. Häufig ist auch ein Veredelungsbetrieb angeschlossen. Eine wichtige Basis für die Aufzucht bzw. „Einschulung“ sind leichte bis mittelschwere, an Humus reiche Böden, die ein rasches Bewurzeln ermöglichen. Voraussetzung ist vor allem eine ausreichende Versorgung mit Kalium (Kaliumsalzen) und Magnesium. Die Anlage muss wenig frostgefährdet, warm und windgeschützt, sowie frei von virusübertragenden Nematoden (Fadenwürmern) sein. Nur durch eine vegetative Vermehrung ist gewährleistet, dass die neu entstandenen Reben die exakt gleichen Gene und damit Eigenschaften wie die Ursprungsrebe aufweisen. Eine generative Vermehrung über Aussaat und Aufzucht von Traubenkörnern kommt deshalb nicht in Frage. Basis für die spätere Rebe sind zwei Komponenten, nämlich das Edelreis (Oberteil) und die Unterlage (Unterteil). Beide werden getrennt aufgezogen und erst durch Veredelung, Vortreiben und nachfolgender Einschulung zu einem pflanzungsfähigen Steckling.

Die Edelreiser werden von mehrere Jahre in behördlich anerkannten Ertragsweinbergen beobachteten und auf ihre positiven weinbaulichen Eigenschaften geprüften Klonen gewonnen (Klonenselektion). Die besten davon mit besonderen Anforderungen fungieren nach Zulassung als so genanntes Basispflanzgut (Mutterreben). Von diesen werden 80 Zentimeter lange einjährige Ruten abgetrennt. Der Schnitt erfolgt Ende Dezember bis Mitte Jänner, um Knospenschäden durch Fröste vorzubeugen. Die Ruten müssen zumindest sieben, bei manchen mit langen Internodien wie bei den Sorten Blaufränkisch (Lemberger), Trollinger oder Dornfelder nur fünf veredelungsfähige Augen aufweisen. Aus einer Mutterrebe können bis 50 Edelreiser gewonnen werden. Sie werden bis zur weiteren Verwendung in Kühlräumen mit 1 bis 2 °Celsius luftdicht in Kunststofffolien zu 100 oder 200 Stück verpackt gelagert, um die Reservestoffe wie vor allem Kohlenhydrate im Holz zu erhalten. Für die Veredelung werden die Ruten dann in kleine Stücke mit je einem Auge geschnitten. Über dem Auge muss ein Stummel mit zumindest 1,5 Zentimeter Länge verbleiben, unter dem Auge verbleibt ein Zapfen mit zumindest 5 Zentimeter Länge.

Die Unterlagen werden so wie Rebsorten gezielt mit bestimmten Eigenschaften und für bestimmte Bodentypen durch Kreuzungen gezüchtet, wobei auf Grund der unabdingbaren Reblausresistenz immer Amerikaner-Reben beteiligt sind. In einer Rebschule wird deshalb nicht nur die gewünschte Rebsorte mit ggf. auch dem gewünschten Klontyp, sondern auch die für den Weinberg möglichst optimal passende Unterlage bestellt, mit der sie veredelt wurde (z. B. „Riesling Klon 64 Geisenheim“ mit Unterlage „Kober 5 BB“). Bei den Unterlagen handelt es sich um ein einjähriges Holz, das in so genannten Schnittgärten erzeugt wird. Da sie für das Wachstum warme, wenig frostgefährdete Standorte benötigen, werden sie zumeist in Norditalien oder Südfrankreich erzeugt. Sie werden entweder ohne Unterstützung am Boden oder mittels Greiner-Deckerscher Schrägpfahlerziehung erzogen, so dass sich 8 bis 10 Ruten mit je mehreren Meter Länge ergeben. Die Ernte erfolgt im Jänner und Februar, dabei werden die Ruten knapp über dem Kopf abgeschnitten. Die Länge muss durch 40 teilbar sein, jedoch zumindest 120 Zentimeter betragen. Der Zuschnitt auf die endgültige Länge von 30 Zentimetern erfolgt dann erst kurz vor der Veredelung. Die untere Schnittfläche liegt etwa 1,5 bis 2 Zentimeter unter einem Nodium (Knoten). An dieser Schnittstelle bilden sich später die Wurzeln heraus. Alle Augen werden ausgeschnitten, was man bezeichnenderweise als Blenden bezeichnet. Von einem einzigen Rebstock können etwa 60 bis 80 Unterlagen geerntet werden.

Unmittelbar nach der Veredelung erfolgt zum Schutz vor dem Austrocknen ein Paraffinieren der Stecklinge einschließlich der Veredelungsstelle mit flüssigem, heißem Veredelungswachs. Dieses Wachs enthält auch Stoffe für die Hemmung von Botrytis sowie zur Förderung der Kallusbildung. Danach werden je 500 bis 600 Reben in Vortreibkisten aus Kunststoff gepackt, die mit nassem Torfmull bis vor die Veredelungsstelle gefüllt sind. Darüber wird mit Sand oder Perlit aufgefüllt. Dann erfolgt in hellen, heizbaren Räumlichkeiten, meist Glashäusern das Vortreiben (Vorschulen) der Reben in den Kisten, wodurch die Bildung von Kallus (Wundgewebe) gefördert, das Auge zum Austrieb gebracht und erste Wurzelspitzen gebildet werden. Der Termin richtet sich nach der anschließenden Einschulung, in der nördlichen Hemisphäre ist dies zumeist in der letzten Aprildekade. Die Dauer beträgt zwischen zwei und drei Wochen. Voraussetzung ist eine gleichmäßige Temperatur, hohe Luftfeuchtigkeit und gute Durchlüftung. Die jungen Triebe sollen sich dabei so kurz wie möglich entwickeln. Sie werden durch regelmäßiges Besprühen mit Chinosol gegen Botrytis geschützt. Danach folgt die Abhärtung, bei der die Reben innerhalb einer Woche langsam den normalen Temperaturverhältnissen angepasst werden.

Die Einschulung beginnt nach den Spätfrösten etwa Mitte Mai. Das früher übliche „Grabenverfahren“ wurde ab Ende der 1970er-Jahre durch das so genannte „Folienverfahren“ abgelöst. Mittels einer Verlegemaschine wird ein leicht gewölbter Erddamm aufgeworfen, über den eine Kunststofffolie gezogen wird. Diese etwa 75 Zentimeter breite, schwarz eingefärbte und damit eine höhere Bodenwärme bewirkende Folie aus Polyethylen wird an den Rändern mit Erde abgedeckt, damit dem Wind keine Angriffsfläche geboten wird. Danach werden die Folien mit einem mit Dornen bespickten Rad überrollt, so dass alle 6 bis 8 Zentimeter Löcher hineingestanzt werden. Durch diese Löcher werden die Stecklinge etwa 10 Zentimeter tief in die Erde gesteckt. Im Gegensatz zum früheren Grabenverfahren findet beim Folienverfahren kein unerwünschtes Auswurzeln aus dem Edelreis statt. Nach dem Ergrünen sind Pflegemaßnahmen wie Bodenlockerung, Laubschnitt und vorbeugende Behandlung mit Fungiziden gegen falschen und Netzschwefel gegen echten Mehltau erforderlich. Bei der behördlichen Begehung im Sommer werden die Reben als Voraussetzung für die Anerkennung auf Sortenreinheit überprüft.

Nach dem Blattfall im November erfolgt die Ausschulung der Reben. Vorher werden die Triebe auf etwa 15 Zentimeter gekürzt und die Reben ausgehoben, wobei die Wurzeln bis auf 25 Zentimeter abgeschnitten werden. Nun werden alle Reben besonders bezüglich optimaler Verwachsung von Edelreis und Unterlage durch die manuelle Druck- und Drehprobe geprüft. Dabei darf es nicht zum Aufspringen des Kallusringes oder einer Spaltbildung im Bereich der Veredelungsstelle kommen. Bis zur Vermarktung und dem Auspflanzen im Frühjahr lagern die Reben in Kühlräumen. Gemäß einer im Jahre 1992 erlassenen EU-Richtlinie ist für alle innerhalb der EU in Verkehr gebrachte Reben ein „Pflanzenpass“ vorgeschrieben, in dem unter anderem Erzeugerland, Erzeuger, botanischer Name, Edelreissorte und Unterlagensorte angegeben sind. Als Alternative zur Rebschule werden Reben auch als so genannte Topfreben erzeugt. Statt der Einschulung im Freien erfolgt der Vorgang mit den eingetopften Reben klimatisiert. Bei mehrfacher Nutzung eines Bodens kann es zur sogenannten Rebenmüdigkeit kommen. Siehe auch eine komplette Aufstellung aller rebsortenspezifischen Stichwörter unter Weinrebe.

Weltweit größte Weinwissens-Datenbank, gemacht mit von unserem Autor Norbert Tischelmayer.

Über das Glossar

Kalender Veranstaltungen in deiner Nähe

Hinweis: ×

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.