Registrieren Anmelden

Das größte Weinlexikon der Welt

22.545 Stichwörter • 49.268 Synonyme • 5.290 Übersetzungen • 7.929 Aussprachen • 146.338 Querverweise

0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Reisigkrankheit

Schon die Römer kannten diese gefürchtete Rebstockkrankheit, was durch erhaltene Beschreibungen über die Symptome als erwiesen gilt. Sie zählt weltweit zu den bedeutendsten Krankheiten, die im Weinbau durch Viren verursacht werden. Zu einem starken Ansteigen kam es in Europa ab den 1880er-Jahren während der Reblaus-Katastrophe durch verseuchte Unterlagen. Es handelt sich dabei um eine Gruppe mehrerer, verwandter Krankheiten. Auf Grund dessen gibt auch eine Reihe von Synonymen wie zum Beispiel Abbaukrankheit, Fasziation (Verbänderung), Kurzknotigkeit (frz. Court noué) und Panachure, womit aber zum Teil nicht die Krankheit selbst, sondern deren Symptome (die teilweise auch bei anderen Krankheiten in ähnlicher Form vorkommen) beschrieben werden. Im 19. Jahrhundert herrschte noch die Meinung vor, dass die Ursache eine degenerative Folgeerscheinung von exzessiver vegetativer Vermehrung der Weinrebe sei.

Erst ab den 1930er-Jahren wurden als Ursache verschiedene Virenkomplexe erkannt und in der Folge zahlreiche dieser Viren identifiziert. Die Reisigkrankheit führt zu stark ausgeprägten degenerativen Veränderungen am Rebstock. Bei den Trieben äußert sich dies durch Kurzknotigkeit (die Internodien sind sehr kurz, zwei oder mehr Knoten folgen dicht aufeinander), Zickzackwuchs, miteinander verwachsene Triebe, Besenwuchs (buschiges Aussehen) und Verbänderung (Fasziation). Bei den Blättern sind die Symptome Vergilbung, Panaschüren (Blattverfärbungen), Kleinblättrigkeit und asymmetrische sortenunspezifische Formen. Bei den Weintrauben kann Kleinbeerigkeit mit kernlosen Beeren auftreten. Oft kommt auch ein starkes Verrieseln nach der Blüte vor.

Diese vielgestaltigen Symptome variieren aber unterschiedlich je Sorte, Weinbaugebiet und Jahrgang, was die Identifikation erschwert. Es gibt besonders anfällige Rebsorten, dazu zählt zum Beispiel Cabernet Sauvignon. Der langwierige Krankheits-Prozess kann sich bis zu zehn Jahren erstrecken. Der Ertragsausfall kann schlimmstenfalls bis rund 80% der Ernte betragen. Im schlimmsten Fall müssen gesamte Weingärten tief gerodet werden und eine bis fünf- bis achtjährige Brache erfolgen. Ursachen sind verschiedene Virus-Komplexe, hauptsächlich sind dies jedoch die vier Gruppen Grapevine Fanleaf Virus (GFLV), den es ausschließlich an der Weinrebe gibt, sowie die auch andere Pflanzen befallenden drei Gruppen Arabis Mosaic Virus (ArMV), Himbeerringflecken-Virus (Raspberry Ringspot Virus = RpRSV) und Tomaten-Schwarzringflecken-Virus (Tomato black Ringspot Virus = TbRSV).

Die Infektion erfolgt durch Nematoden (Fadenwürmer) in kreisförmigen Herden von Rebe zu Rebe. Die Spezies Xiphinema index und Xiphinema vuittenezi übertragen den GFV, die Spezies Xiphinema diversicaudatum den ArMV. Über größere Entfernungen erfolgt die Verbreitung durch infiziertes Pflanzmaterial (Unterlagen, Edelreiser). Da eine direkte Bekämpfung gegen die langlebigen, in einem Meter Tiefe lebenden Viren noch nicht gefunden ist, müssen präventive Maßnahmen durch nematodenresistente Unterlagen und Kontrollen beim Anlegen neuer Rebanlagen erfolgen. Die Rebsorte Kerner scheint im besonderer Weise auf den ArMV-Virus zu reagieren, deshalb wird die Krankheit bei dieser Sorte auch als Kernerkrankheit bezeichnet. Siehe auch unter Rebstock-Feinde.

Weltweit größte Weinwissens-Datenbank, gemacht mit von unserem Autor Norbert Tischelmayer.

Über das Glossar

Kalender Veranstaltungen in deiner Nähe

Hinweis:

×
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.