Registrieren Anmelden

Das größte Weinlexikon der Welt

22.493 Stichwörter • 49.895 Synonyme • 5.295 Übersetzungen • 7.929 Aussprachen • 144.755 Querverweise

0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Staatliche Prüfnummer

Zwingend erforderliche sensorische und analytische Prüfung für Qualitätsweine bzw. Pädikatsweine in Österreich (für die beiden Qualitätsstufen Wein und Landwein ist dies nicht notwendig). Als Beleg für die bestandene Prüfung wird die Staatliche Prüfnummer vergeben, die auf dem Etikett angeführt werden muss. Das Verfahren wurde im Jahre 1987 als eine der Maßnahmen auf den 1985 aufgedeckten Weinskandal eingeführt. Die Staatliche Prüfnummer muss auf dem Etikett angeführt werden. Von dieser lassen sich Prüfstelle, Hersteller und Jahrgang eindeutig und zweifelsfrei zurückverfolgen. Der Wein darf vom Beginn der Antragstellung bis zum Ende des Verfahrens und ab dem Zeitpunkt der Erteilung nicht mehr verändert werden. Verboten sind insbesondere ein nachfolgender Verschnitt, Entsäuerung, Schönen und Zuckerung. Zulässig sind lediglich Pflegemaßnahmen wie Schwefeln, Zusatz von Ascorbinsäure und Metaweinsäure, Änderungen des Kohlendioxidgehaltes sowie Filtration.

Das „Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt“ (Burgenland) ist ermächtigt, für alle österreichischen Qualitäts- und Prädikatsweine die Prüfnummer durch Bescheid zu verleihen, sowie sämtliche Verfahren zur Erteilung durchzuführen. Anträge müssen bei diesem Amt in Eisenstadt oder den Außenstellen, oder bei der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg (Niederöstereich) mittels Formular eingebracht werden. Beim Antrag sind anzugeben Aufbewahrungsort des Weines, Weinart (Farbe, Verschnitt, Jahrgang, Qualitätswein-Rebsorte, Menge, örtliche Herkunft, Qualitäts-Stufe, Mostgewicht und allfällig erfolgtes Anreichern), sowie Angaben über die beabsichtigte Weinbezeichnung, über die Lagerung und bei Prädikatsweinen die Mostcharge-Nummern und Teilmengen. Dem Antrag sind Weinproben in Form von Flaschen anzuschließen. Die eingereichten Weine werden nach den weingesetzlichen Vorgaben analytisch und von erfahrenen Verkostern sensorisch geprüft.

Die analytische Prüfung mittels standardisierter Verfahren umfasst Alkoholgehalt (vorhanden, gesamt), zuckerfreier Extrakt (siehe unter Gesamtextrakt), reduzierender Zucker (Restzucker), titrierbare Säure (Gesamtsäure), freie schweflige Säure, gesamte schweflige Säure (freie und gebundene) und relative Dichte, sowie Kohlendioxiddruck bei Schaumwein und Perlwein. Für die sensorische Prüfung werden den amtlichen Verkostern die für die Beurteilung notwendigen Daten mitgeteilt. Das sind Herkunft, Weintype, Jahrgang, Rebsorte und kellertechnische Maßnahmen. Es werden Sortenbukett, Aussehen (Farbe, Klarheit), Geruch und Geschmack bewertet. Für das Ergebnis der sensorischen Prüfung haben die Verkoster die Frage „Ist das Erzeugnis unter dieser Bezeichnung verkehrsfähig?“ mit JA oder NEIN zu beantworten. Die staatliche Prüfnummer wird dann erteilt, wenn eine Mindestanzahl der Verkoster dies mit Ja beantwortet. Das sind z. B. zumindest vier JA bei sechs Verkostern.

Im langjährigen Durchschnitt erhalten etwa 85% der eingereichten Weine die Staatliche Prüfnummer. Hauptsächliche Gründe sind eindeutige Weinfehler und/oder eine ungenügende Typizität. Entweder werden sie als einfacher Wein deklassiert oder müssen überhaupt aus dem Verkehr gezogen werden. Die meisten Ablehnungen sind auf sensorische Mängel zurückzuführen. Die häufigsten Mängel bzw. Fehler sind Böckser, oxidierte Töne und schimmelige Töne. Die rein analytischen Ablehnungen machen nur 2% aus. Am häufigsten werden solch beanstandete Weine wegen Überschreitung des Gesamtalkohol- oder Restzuckergehaltes, sowie Überschreitung der Grenzwerte bezüglich schwefliger Säure beanstandet. Jährlich werden 4.000 bis 5.000 Proben abgelehnt.

Das Jahr der Einreichung muss nicht mit dem Jahr der Abfüllung identisch sein. Bei der Antragstellung muss also der Wein noch nicht in Flaschen abgefüllt sein. Sollten Jahrgang und Jahr der Einreichung identisch sein, dann handelt es sich um eine frühe Abfüllung noch im Erntejahr. Ist das Jahr der Einreichung höher als der Jahrgang, dann deutet das auf längeren Ausbau hin (mehrere Monate bis Jahre). Prüfstellen sind Eisenstadt, sowie die Außenstellen Baden, Krems, Poysdorf, Retz und Silberberg. Die Staatliche Prüfnummer kann auch über das Internet (Netz) beantragt werden. Ein fiktives Beispiel mit der staatlichen Prüfnummer L-E 1234/09:

Weltweit größte Weinwissens-Datenbank, gemacht mit von unserem Autor Norbert Tischelmayer.

Über das Glossar

Hinweis:

×
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
![endif]-->